Kolumbianischer Priester schenkt zehntausenden Kindern Frieden – und erhielt nun den World’s Children’s Prize

Sein ganzes Leben lang widmete sich der kolumbianische Pater Gabriel Mejia Montaya den Armen. Denn die Situation seines Heimatlandes ist desaströs: Über 60 Jahre lang wütete der Bürgerkrieg, fast 6 Millionen Menschen mussten aus ihren angestammten Dörfern und Städten fliehen; über 200 000 Menschen wurden umgebracht. Die größte Last dieser Jahre trugen die Kinder.

Für diese Straßenkinder, Kindersoldaten und minderjährigen Gefangenen setzt sich Pater Gabriel, wie man ihn in seiner Heimat gern nennt, seit über dreißig Jahren ein. Junge Menschen finden in den bald 60 Zentren seiner Stiftung nicht nur ein Dach überm Kopf, Nahrung und Schutz. Sie finden zu positiven Werten, üben sich in Mitgefühl und Fairness, Respekt und Verantwortung. Und sie erhalten Therapie, Heilung und Ausbildung. Der Kern des therapeutischen Angebots aber ist die Transzendentale Meditation.

Nun wurde Pater Gabriel mit dem World’s Children’s Prize ausgezeichnet.

Kern von Pater Gabriels Bemühungen: jedem Kind Transzendentale Meditation zugänglich zu machen. Schon vor Jahrzehnten hatte der Priester erkannt: Mit dieser einfachen Technik der Selbsterfahrung wird Stress effizienter als mit jeder anderen Methode abgebaut, werden Traumata geheilt und kann weiterem Stress vorgebeugt werden. Dazu Pater Gabriel:

»Schon in meiner ersten Meditation fiel mein Stress von mir ab, und ich fühlte mich viel gelassener. Einige der Kinder, denen wir begegnen, leiden ebenfalls unter großem Stress, starken Aggressionen, Gewalt. Und so dachte ich: Wenn es mir hilft, hilft es ihnen auch. Jetzt ist beides, die Meditation und die Pfadfinder-Bewegung, Teil der friedlichen Gemeinschaften, die wir gemeinsam mit den Kindern aufbauen.«

Über 50 Jugendzentren betreibt die Stiftung »Hogares Claret« heute und kümmert sich um mehr als 4000 Kinder und Jugendliche. Angeboten werden Yoga, Tai Chi und Pferdetherapie. Der zentrale Kern des therapeutischen Rehabilitationsprogrammes aber ist das Erlernen und Praktizieren der Technik der Transzendentalen Meditation (TM).

Geleitet werden die Zentren teilweise von »Ehemaligen«: Erwachsen gewordene ehemalige Straßenkinder und Bandenmitglieder, die hier eine Aufgabe gefunden haben. Einer dieser Ehemaligen hatte sogar, bevor er in eines der Zentren aufgenommen werden konnte, ein Attentat auf Pater Gabriel verübt. Pater Gabriel hat ihm verziehen.

Benannt ist die Stiftung nach dem heiligen Antonius Maria Claret y Clará, der 1849 die ursprünglich katalonische, heute weltweit aktive Claretiner-Kongregationgegründet hatte, zu der auch Pater Gabriel gehört.

Inzwischen sind die Hogares Claret-Zentren an die kolumbianische Pfadfinder-Bewegung angeschlossen: Alle Kinder, die zu den Zentren der Stiftung kommen, werden automatisch zu Pfadfindern. Mehr Integration in die noch unversehrten Strukturen des alten Kolumbien ist kaum denkbar.

Der im Jahr 2000 von der schwedischen Regierung ins Leben gerufene World’s Children’s Prize ehrt jährlich drei herausragende Persönlichkeiten, die sich für Bildung, Wachstum und Gesundheit von Kindern einsetzen. Die bisherigen WCP-Preisträger sind hier (chronologisch) und hier (alphabetisch) gelistet.

Unter den Schutzpatronen der Stiftung findet man so illustre Namen wie Königin Silvia von Schweden, Nelson Mandela († 2014), Xanana Gusmão (Friedenskämpfer und ehemaliger Präsident Osttimors) oder Kjell Stefan Löfven (schwedischer Ministerpräsident).

Schon 2008 erhielt Pater Gabriel für seine Arbeit den alljährlichen Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung Österreichs: über die Stiftung Sei so frei, für sein Engagement für Gerechtigkeit, Menschenrechte und Entwicklung in Ländern der »Dritten Welt«.

2015 besuchte Pater Gabriel Salzburg. Das ORF berichtete und strahlte einen zweieinhalb-minütigen Beitrag aus.

Dass Transzendentale Meditation und religiöser Glaube sich nicht ausschließen, zeigt dieses kurze, anderthalbminütige Video mit Pater Gabriel:

Zitate

Liebe ist unerlässlich als Medizin, bei jeder Krankheit und bei jeder Störung.— Pater Gabriel, Hogares Claret Stiftung

Ich bin fest davon überzeugt, dass ein junger Mensch kein Problem ist, sondern eine Chance. Ein Kind besitzt unbegrenztes Potential. Ein Kind ist wie ein Heiligtum, wie ein Tanz der Schöpfung. Die Basistherapie ist Liebe. — Pater Gabriel, Hogares Claret Stiftung

Wenn Kinder die Augen schließen und zu meditieren beginnen, dann, so drückt es der Maharishi aus, öffnen sie sich dem Feld aller Möglichkeiten. Für das Kind öffnet sich dann die Welt. Und dann entdeckt es seine eigentliche Natur: Liebe. — Pater Gabriel, Hogares Claret Stiftung



Text: Jochen Uebel. Bild: © World’s Children’s Prize for the Rights of the Child (Jesper Klemedsson).